
| Vielleicht
fragt man sich, bevor man sich einen Hund anschafft:
"warum sollte ich gerade ein behindertes Tier nehmen?" Gegenfrage: Warum nicht? Als ich noch mit
meinem Mann zusammenlebte, wollten wir einfach nur gern
einen Hund haben, einen pelzigen neuen Freund. Für uns stand fest, es soll auf jeden Fall ein Hund aus dem Tierheim sein. Es gibt zwar viele Züchter, und herzallerliebste Welpen aller möglichen Rassen zu kaufen. Aber Tiere, die viel dringender ein liebevolles Zuhause brauchen, gibt es noch zahlreicher. Und nebenbei: jedes endgültig in ein liebevolles Zuhause vermittelte Tier schafft Platz für einen neuen tierischen Notfall. Und davon gibt es leider viel zu viele! Maya fiel uns auf! Nicht wegen ihrer Behinderung, sondern wegen ihrer Art. Für uns war wichtig, einen ruhigen Hund, der Kleintiere mag und auch mal allein bleiben kann, zu finden. Einen Hund, der freundlich ist, zu Mensch und Tier, vor allem zu Möhrchen und meinen Rennmäusen, unseren Freunden und unseren Familienmitgliedern. Wir suchten keinen Wachhund. Maya hatte diese Vorraussetzungen, das fiel uns auf. Und dass sie so niedlich lächelte! Die Behinderung an sich war vollkommen unwichtig, ja, für uns eigentlich gar nicht vorhanden! Maya war, wie sie war und so liebten wir sie. Sie war ein völlig normaler Hund! Viele Menschen
möchten kein behindertes Tier aufnehmen. Es gibt
auch Menschen, die einen Hund, hart ausgedrückt, als
Statussymbol sehen. Ein reinrassiger Wasweißichwas ist
eben etwas, was man vorzeigen kann. Das sei sicher und
von Herzen gegönnt, Manche Menschen würden schon sehr gern ein behindertes Tier nehmen, haben aber Angst vor den Fragen oder Sprüchen, die oft von Mitbürgern zu hören sind. Denn Halter eines behinderten Hundes stoßen oft auf Unverständnis, Taktlosigkeit, Abscheu oder Agression. Es gibt viele Beispiele, meist nur bei sichtbaren Behinderungen, selten bei Blindheit oder Gehörlosigkeit. Diese Leute, die taktlose Kommentare geben, sind die Art von Menschen, deren Einstellung es dem Halter eines behinderten Tieres schwer macht. Solche
Leute haben keine Ahnung von (Tier-) Liebe! Und diese dummen Menschen verdienen Mitleid, denn sie sind von "Normen" so geprägt, dass sie sich niemals frei entfalten können! Sie wissen nicht oder wollen es nicht glauben, das sich ein behindertes Tier nicht quält und sehrwohl und vor allem sehr gut zurechtkommt! Um zur Sache zu kommen: Wer mit dem Gedanken spielt, ein behindertes Tier bei sich aufzunehmen, sollte sich bewusst sein, dass man auf merkwürdige Menschen stoßen wird. Ein starkes Selbstbewusstsein hat das Tier allemal! Psychische Probleme hat es mit seiner Behinderung nicht. Instinktiv bewegen sich die Tiere anders, um ein fehlendes Beinchen "auszugleichen". Sie orientieren sich mit dem ausgeprägtem Geruchssinn, wenn sie blind sind. Gehörlose Tiere z.B. reagieren auf Blickkontakt mit Herrchen. Sie alle sind nicht anders, als andere Tiere auch. Auch Artgenossen bemerken diesen Unterschied nicht. Hunde und Katzen haben kein Interesse am Aussehen eines Artgenossen. Selbstverständlich ist wohl, dass auch Herrchen oder Frauchen dieses Selbstbewusstsein an den Tag legt. Man sollte sich nicht von solch komischen Leuten einschüchtern lassen, im Gegenteil! Der Hund übrigens würde sich nicht gekränkt fühlen. Für ihn (oder sie) zählt ohnehin nur die eigene Familie. Wenn ein Fremder Antipathie zeigt, ist es dem Tier völlig wurscht! Wahrscheinlich wird wohl ziemlich jeder fragen, wie es zur Behinderung des Tieres kam und ob der Hund gut zurechtkommt. Die Neugier anderer Menschen sollte man aber positiv werten! Natürlich kann es sein, dass ein dreibeiniges Tier etwas mehr Pflege, ein gehörloses oder blindes Tier mehr Aufmerksamkeit braucht, als ein vierbeiniges, sehendes oder hörendes. Wird z.B. das Gewicht auf nur drei Beinchen verlagert, so ist zwar nicht unbedingt gesagt, dass es zu Komplikationen der Gelenke oder Knochen kommen muss, das kann aber der Fall sein. Übergewicht zum Beispiel schadet jedem Tier. Ist ein Hund nicht sonderlich aktiv, auch durch eine Behinderung, ist darauf zu achten, dass er nicht zu fett wird. Völlig klar. Auch, dass im Straßenverkehr auf gehörlose oder blinde Tiere besondere Acht zu geben ist! Aber auch jedes andere Tier kann einmal krank werden! Bei jedem Tier ist auf Sicherheit im Straßenverkehr zu achten! Wieviele vierbeinige Hunde haben z.B. Hüftprobleme? Und kommt es nicht oft vor, dass ein sehendes/hörendes Tier so ins Spiel vertieft ist, dass man dreifach Acht geben muss? Kein Grund also, das Tier, in das man sich verliebt hat, nicht zu nehmen, nur, weil ihm ein Beinchen fehlt! Oder weil es taub oder blind ist. Natürlich sollte man darauf achten, dass ein Tier, welches aus irgendeinem Grund nicht so "gut zu Fuß" ist, nicht ständig Treppen steigen muss! Eine Wohnung im dritten Stock ohne Fahrstuhl ist sicher kein geeignetes Zuhause. Drei oder vier Stufen vor dem Haus sind garantiert kein Problem! Auch sollte man etwas darauf achten, dass das Tier nicht zu lange spazierengeht. Der sogenannte Verschleiß ist selbstverständlich bei dieser Gewichtsverlagerung deutlicher, als bei einem vierbeinigen Tier. Aber das wird der Hund schon zeigen, wenn er müde ist, nicht mehr laufen mag. Mit Maya ist ein Spaziergang von einer Stunde das Maximum, zwischendurch möchte sie aber gern mal ausruhen, sich streicheln lassen. Wir hatten das Glück, direkt am Feld zu wohnen, mitten in der Stadt sollte man sein Tier wohl ins Auto packen und in die Natur fahren. Denn der lange Fußweg zum Feld oder zur Hundewiese wäre eventuell etwas weit, dann kann das Tier sich nicht mehr über das freie Laufen freuen, sondern ist vielleicht schon müde. Es gibt Argumente für ein behindertes Tier, die man übrigens auch hervorragend nutzen kann als Reaktionen und Antworten auf taktlose Fragen/Kommentare. Die werden sicher jeden sprachlos machen, auch den agressivsten Gegner: Heißt es nicht "der Hund, bester Freund des Menschen"? Seit wann interessiert das Aussehen eines wahren Freundes? Eine Behinderung ist keine Krankheit. Solange ein Tier keine Schmerzen hat und den Alltag problemlos meistern kann, wird es sich gern in das Leben seiner Menschen integrieren. Ein behindertes Tier ist genauso lieb, verschmust, verspielt und unendlich dankbar für ein liebevolles Zuhause, wie jedes andere Tier! Ein behindertes Tier kann genauso aktiv und "stürmisch" sein, wie jedes andere. Kann lange Spaziergänge lieben, gern toben und spielen! Aber ein behindertes Tier kann auch angenehm ruhig sein, nicht so wild, nicht so "anspruchsvoll", was lange ausgiebige Spaziergänge angeht. Dafür ist es eventuell sehr verschmust! Ein behindertes Tier weiß nicht, dass es anders ist. Es kann und will sehr gut damit leben! Ein behindertes Tier macht seinem Menschen genau so viel Freude und auch mal Sorgen, wie ein nicht-behindertes Tier! Es ist kein "armes" Tier, es hat ein schönes, liebevolles Zuhause und Freunde, die es von Herzen lieben! Für alle, die gern einen lieben Freund bei sich aufnehmen möchten und noch nicht ganz sicher sind, ob auch ein behindertes Tier in Frage kommt, sollten einige Dinge in den Vordergrund gestellt werden: man sollte sich nicht am Aussehen orientieren, wenn man einen neuen Freund bei sich aufnehmen möchte. Ob dreibeinig, blind, taub, oder was auch immer oder eben nicht behindert, sollte aussen vor stehen. Ob schwarz, braun, weiß, oder grau ist ja ohnehin keine Frage! Wichtig ist, auf die Eigenarten zu achten, darauf zu achten, ob man zu einem Hund passt. Danach sollte das Tier ausgewählt werden! Vorausgesetzt natürlich immer, dass der Hund auch seinen neuen Menschen mag! Die Vorlieben und Eigenarten eines Tieres sind im allgemeinen den Tierheim-Mitarbeitern bekannt! |